Interview mit fuldainfo.de

Das osthessische Medium fuldainfo.de hat uns einige Fragen zu verschiedenen Themenbereichen für die Kommunalwahl 2026 gestellt.

Vielen Dank für das Interview, hier gibt es gesammelt unsere Antworten.

Ländlicher Raum & Infrastruktur

Wie wollen Sie gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land sichern?
Mit klaren Prioritäten: gute Schulen, schnelle digitale Netze, verlässliche medizinische Versorgung, intakte Straßen und ein ÖPNV, der auch draußen funktioniert. Unser Leitbild „Fulda 360 Grad“ soll Ziele bis 2035 festlegen, messbar und transparent über einen jährlichen Zukunftsbericht.

Wie stärken Sie kleinere Gemeinden und Ortsteile im Kreisgebiet?
Indem wir ihnen Luft zum Atmen lassen: niedrige Kreisumlage fortführen (Fulda hat bereits die niedrigste in Hessen) und Investitionen vor Ort ermöglichen, in Feuerwehren, Dorfgemeinschaft, Kinderbetreuung, Infrastruktur. Dazu: weniger Bürokratie durch Nutzung der Modellregion „KommFlex“. Allein von 2022 bis 2026 (Zeit der Zusammenarbeit von FDP und CDU) stellt der Landkreis rund 17 Mio. € über den Kreisausgleichsstock bereit um gezielt finanzschwächere Gemeinden bei Investitionen zu unterstützen, etwa für den Bau von Kitas, die Sanierung von Feuerwehrhäusern und Schwimmbäder. Kein anderer Landkreis in Hessen stellt in diesem Umfang freiwillig zusätzliche Mittel zur direkten Unterstützung seiner Städte und Gemeinden bereit.

Welche Maßnahmen planen Sie zur Sicherung der Nahversorgung in ländlichen Orten?
Zur Sicherung der Nahversorgung wollen wir Investitionen vor Ort erleichtern, unter anderem durch pragmatischeren Denkmalschutz, schnellere Genehmigungen und weniger Bürokratie. Gerade in kleineren Orten müssen Umbauten, Modernisierungen und neue Nutzungskonzepte für Läden, Bäckereien oder Dorftreffpunkte einfacher möglich sein, damit Versorgung im Ort bleibt.Wichtig ist: Rahmenbedingungen, damit private Anbieter, Handwerk und Mittelstand vor Ort funktionieren, nicht mehr Hürden.

Wie soll die kommunale Infrastruktur im Kreis modernisiert werden?
Durch konsequente Investitionen in Schulen, Straßen und digitale Infrastruktur und durch Digitalisierung der Verwaltung (medienbruchfreie Prozesse). Der Landkreis hat in den vergangenen Jahren, unter maßgeblicher Beteiligung der FDP, bewusst hohe Investitionen in die kommunale Infrastruktur getätigt: rund 79 Mio. € im Jahr 2023, über 60 Mio. € im Jahr 2024 und über 125 Mio. € im Jahr 2025. Auch 2026 sind erneut rund 78 Mio. € Investitionen geplant, vor allem in Schulen, Kreisstraßen, Breitband und öffentliche Infrastruktur. Diese Investitionen stärken unsere Städte und Gemeinden nachhaltig und sichern gleichwertige Lebensverhältnisse im ganzen Kreis.


Öffentlicher Nahverkehr & Mobilität im Kreis

Wie wollen Sie den ÖPNV im ländlichen Raum verbessern?
Mit flexiblen Angeboten statt „ein Bus pro Stunde, egal ob jemand fährt“. Grundlage ist die bereits beauftragte Mobilitätssimulation – daraus wollen wir Pilotprojekte starten, insbesondere On-Demand.On-Demand-Verkehre sind flexible Rufsysteme ohne festen Fahrplan: Bürger bestellen die Fahrt per App oder Telefon, der Kleinbus fährt nur bei Bedarf, bündelt Fahrten intelligent und bringt Menschen auch in dünn besiedelten Orten zuverlässig von Tür zu Tür oder zum nächsten Knotenpunkt.

Welche Lösungen sehen Sie für Orte mit schwacher Verkehrsanbindung?
On-Demand-Verkehre („Hopper“-Ansatz), smartere Verknüpfung mit bestehenden Linien und praxistaugliche Übergänge zum Bahnverkehr. Ziel: zuverlässig hinkommen – auch ohne eigenes Auto.

Wie stehen Sie zu Rufbussen oder neuen Mobilitätskonzepten?
Positiv – wenn sie alltagstauglich sind. Rufbus/On-Demand ist genau der Hebel, der im ländlichen Raum oft mehr bringt als teure Linienausschreibungen mit leeren Bussen.

Wie wollen Sie Pendlerinnen und Pendler entlasten?
Mit guter Straßeninfrastruktur. Kein Landkreis in Hessen investiert so viel Geld in gute Kreisstraßen wie der Landkreis Fulda. Außerdem brauchen wir wichtig Straßenumgehungen (u.a. Margaretenhaun/Niederbieber) und einem ÖPNV, der echte Alternativen bietet. Dazu gehören auch Sammelparkplätze. Außerdem: mehr Jobs vor Ort durch kluge Gewerbe- und Standortpolitik.


Gesundheitsversorgung & Pflege

Wie sichern Sie langfristig die medizinische Versorgung im Landkreis?
Indem wir den Gesundheitsstandort Fulda weiter stärken: das Klinikum Fulda, das Herz-Jesu-Krankenhaus und die Helios Klinik in Hünfeld erhalten bzw. stärken, den Campus Fulda zur medizinischen Hochschule ausbauen und die geplante zahnmedizinische Universität ausdrücklich unterstützen. Eine wichtige Rolle spielt die Gesundheitsplanung. Es muss vermieden werden, dass – wenn niedergelassene Ärzte ihre Praxen schließen – die Patienten keine Versorgung mehr erhalten bzw. Praxisübergaben planbar werden. 

Welche Maßnahmen planen Sie gegen Ärztemangel im ländlichen Raum?
Nachwuchs binden statt nur klagen: das Fulda-Stipendium (500 €/Monat) ist ein konkretes Instrument, um Mediziner langfristig in die Region zu holen. Dazu: Ausbildungskapazitäten in Fulda ausbauen (Campus Fulda bzw. medizinische Hochschule).

Wie soll die Pflegeversorgung verbessert werden?
Mehr Unterstützung dort, wo sie wirklich wirkt: Gemeindepflegerinnen/Gemeindeschwestern stärken, die koordinieren, entlasten und zuhause helfen.

Wie unterstützen Sie ältere Menschen im Kreisgebiet?
Mit besseren wohnortnahen Pflege- und Unterstützungsangeboten (Gemeindepflege-Modell) und Infrastruktur, die Teilhabe ermöglicht: Mobilität, Nahversorgung, digitale Zugänge und eine Verwaltung, die einfacher wird.


Schulen & Bildung

Wie wollen Sie Schulen im Landkreis modernisieren?
Schulbauprogramm fortführen und ausbauen – Schwerpunkt Sanierung, moderne Lernumgebungen und Ausstattung. Allein in den Jahren 2024 bis 2026 haben wir rund 114 Mio. € in die Schulen investiert, für Sanierung, Neubau, Digitalisierung und moderne Ausstattung. Bildung bleibt damit einer der größten und wichtigsten Investitionsschwerpunkte im Kreishaushalt.

Welche Rolle spielt Digitalisierung an Kreisschulen?
Eine zentrale. Digitalisierung heißt: Ausstattung, Netze, IT-Strukturen und praxistaugliche Anwendungen. Ziel: Unterricht besser machen und Verwaltung in Schulen entlasten.

Wie sichern Sie Schulstandorte im ländlichen Raum?
Durch verlässliche Investitionen, gute Erreichbarkeit und Vielfalt: freie Schulwahl erhalten und freie Schulträger unterstützen. Eltern sollen entscheiden, nicht Bürokratie.

Welche Investitionen planen Sie in Bildungseinrichtungen?
Weiter Priorität auf Sanierung, Digitalisierung und Ganztagsausbau. Ganztag ist Pflichtaufgabe (Rechtsanspruch ab 2026/27 aufwachsend) dafür braucht es Mensen, Räume und Personal. 


Wirtschaft & Arbeitsplätze

Wie wollen Sie den Wirtschaftsstandort Landkreis Fulda stärken?
Mit Mittelstandspolitik als Kernaufgabe: weniger Bevormundung, verlässliche Rahmenbedingungen, schnellere Genehmigungen. Wir müssen uns auch mehr als Teil der Rhein.Main-Region verstehen und attraktiv für internationale Investoren werden. Außerdem wollen wir mehr strategische Gewerbeflächen entlang A7/A66 entwickeln und die Vermarktung durch die Region Fulda GmbH stärken. Auch interkommunale Gewerbegebiete sollen verstärkt entwickelt werden, um Ressourcen zu bündeln und professioneller zu agieren. 

Gleichzeitig setzen wir mit dem geplanten Gründer- und Innovationszentrum ein klares Signal für die Zukunft: Es stärkt Unternehmertum, fördert Ausgründungen aus Hochschule und Mittelstand, schafft neue Arbeitsplätze und macht den Landkreis Fulda langfristig zu einem starken Standort für Innovation und Wertschöpfung. Unsere Region muss stärker werden bei Forschung und Entwicklung sowie Innovationen und Patenttätigkeit. 

Was planen Sie zur Fachkräftegewinnung?

Wir wollen die berufliche Ausbildung im Landkreis weiter stärken: Den Talentwettbewerb für Auszubildende bauen wir zu einem festen Event aus, das Leistung sichtbar macht und Ausbildung aufwertet. Mit einem Azubi-Shuttle verbessern wir die Erreichbarkeit der Betriebe, gerade im ländlichen Raum. Den bestehenden Azubi-Campus entwickeln wir gezielt weiter – als Ort für Vernetzung, Weiterbildung und Austausch. Gleichzeitig unterstützen wir Unternehmen, die hier ausbilden und investieren, und stärken unsere Region als attraktiven Lebens- und Arbeitsort.

Wie unterstützen Sie regionale Unternehmen und Landwirtschaft?
Durch Bürokratieabbau, digitale Verwaltung (schneller zu Genehmigungen), gezielte Programme wie „Mittelstand digital Fulda“ und einen Wirtschafts- und Mittelstandsbeirat als direkte Rückkopplung aus der Praxis.

Welche Rolle spielen Tourismus und regionale Wertschöpfung?
Eine große: Wasserkuppe als Zugpferd besser vermarkten, besondere Attraktionen schaffen (Vorbild Willingen), Groenhoff-Areal sinnvoll entwickeln. Tourismus bringt Aufträge für Gastronomie, Handel, Handwerk – also echte regionale Wertschöpfung.


Umwelt, Natur & Energie

Wie wollen Sie Natur- und Landschaftsschutz mit wirtschaftlicher Entwicklung vereinbaren?
Mit Augenmaß und Planung statt Ideologie: Schutz der Rhön als Natur- und Erholungsraum, aber auch Chancen für Innovation und Wertschöpfung (z.B. moderne touristische Konzepte, Technologieprojekte, die passen).

Wie stehen Sie zum Ausbau erneuerbarer Energien im Kreisgebiet?
Technologieoffen und realistisch: bezahlbare, sichere Versorgung und Netzausbau mitdenken. Wichtig ist eine Wärmeplanung ohne Zwang und eine Energiepolitik, die funktioniert – nicht nur gut klingt. Windkraftprojekte sehen wir kritisch.

Welche Maßnahmen planen Sie im Klima- und Hochwasserschutz?
Konkreter Hochwasserschutz durch das digitale Warnsystem (LoRaWAN) weiter stärken. Beim Klimaschutz setzen wir auf praktikable Lösungen, z.B. HVO100 für kommunale Fuhrparks (schnell umsetzbar) und auf zukunftsfähige Netze.

Wie schützen Sie die Natur- und Erholungsräume der Region?
Indem wir Schutz nicht gegen Menschen organisieren, sondern mit den Kommunen: klare Regeln, gute Besucherlenkung, sinnvolle Infrastruktur, und Projekte, die die Region aufwerten statt zerstören.


Digitalisierung & Verwaltung

Wie wollen Sie schnelles Internet flächendeckend im Landkreis sicherstellen?
Mit dem laufenden Glasfaserausbau konsequent zu Ende: über 250 Mio. € Gesamtinvestitionen (90% gefördert), bereits zehntausende Anschlüsse – und der Anspruch, überall im Kreis voranzukommen.

Welche Maßnahmen planen Sie zur Digitalisierung der Kreisverwaltung?
Digitales Bauamt als Blaupause: Prozesse medienbruchfrei ausrollen, eine zentrale digitale Anlaufstelle schaffen, offene Standards/Schnittstellen verpflichtend machen („Once Only“: Daten nur einmal einreichen). Zusätzlich: Kompetenzzentrum „KI in der Verwaltung“ für Schulung und Pilotanwendungen.

Wie wollen Sie Bürgerbeteiligung im Kreis stärken?
Über mehr Transparenz und nachvollziehbare Entscheidungen: Leitbild „Fulda 360 Grad“ plus jährlicher Zukunftsbericht mit Chancen/Risiken und konkreten Maßnahmen. Und durch digitale Zugänge, damit Beteiligung einfacher wird.


Kreisfinanzen & Zusammenarbeit

Welche Investitionen haben Priorität im Kreishaushalt?
Schulen/Bildung, Digitalisierung, Straßen, Gesundheitsversorgung und Schutzinfrastruktur (z.B. Hochwasser). Dazu gezielte Innovationsinvestitionen (Technologiezentren, Hochschulkooperationen), weil sie langfristig Jobs und Steuereinnahmen sichern.

Wie wollen Sie die Zusammenarbeit zwischen Kreis und Kommunen verbessern?
Pragmatisch und planbar: weniger Bürokratie (KommFlex nutzen), digitale, gemeinsame Prozesse (wie beim Digitalen Bauamt) und klare Prioritäten über das Leitbild bis 2035.

Wie stehen Sie zur finanziellen Belastung der Gemeinden durch Kreisumlagen?
Klare Linie: niedrige Kreisumlage beibehalten. Das ist direkte Entlastung, damit Städte und Gemeinden investieren können – in Kitas, Feuerwehren, Vereine, Infrastruktur.